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Urlaub auf Poel
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Es gibt Menschen auf dieser Insel, die nicht laut auftreten – und gerade deshalb ganz selbstverständlich dazugehören. Petra Lubiger ist eine von ihnen. 45 Jahre alt, geboren in der Lausitz, groß geworden im Rheinland – und wie sie selbst lachend sagt: „Ich bin ein Wossi.“ Eine Mischung aus allem, was ihr Leben geprägt hat: die thüringische Oma, der rheinische Großvater, der Osten, der Westen – und heute: der Norden.
Schon früh zog es Petra in die Gastronomie, dahin, wo Menschen ankommen, verweilen, genießen. Realschulabschluss, Ausbildung zur Restaurantfachfrau im Rheinland. Damals, erzählt sie, roch ein Gastraum auch noch nach Zigarren – eine andere Zeit. Sie wurde Restaurantleiterin in Bonn, später suchte sie die große Bühne: Hamburg, „Vier Jahreszeiten“. Ein Stück Welt, das sie kennenlernen wollte.
Doch Petra wäre nicht Petra, wenn sie nicht immer wieder ihrem inneren Kompass gefolgt wäre. Zurück in den Süden, Sommelière-Ausbildung, Verantwortung. Und dann war da dieser Moment vor dem Fernseher: Ein Beitrag über einen älteren Mann, der sich an der Ostsee eine kleine Pension aufgebaut hatte. Er erzählte davon, wie er nach dem Einkaufen einfach Feierabend machte und seinen Tag in Ruhe ausklingen ließ. Sie lächelt, wenn sie daran zurückdenkt. „Da dachte ich: Genau so einen Neuanfang wünsche ich mir auch.“
Ihr damaliger Freund sagte: „Mach doch.“ Und Petra tat es. Zog einfach los. Gelandet ist sie schließlich in Nakenstorf, leitete ein Restaurant, arbeitete wie schon seit ihrem 15. Lebensjahr in der Gastronomie. Dann ging es weiter. Acht Jahre führte sie in Wismar das „Brausekontor“, ein Ein-Frauen-Betrieb, durch Zeiten, die Kraft kosteten. Corona stellte Fragen, die Mut erforderten. Weitermachen? Oder neu beginnen?
Und dann war da plötzlich dieses Haus. Die Pension, deren Pächter aufhören wollten. Ihr „Ja“ kam leise – aber aus tiefstem Bauchgefühl. Seit drei Jahren ist Petra nun hier: Haus Margarethe am Meer, nur ein paar Schritte vom Wasser entfernt. „Es hat sich einfach richtig angefühlt.“
Petra möchte niemanden beeindrucken. Sie möchte ankommen lassen. Übernachten, Frühstück, ein gutes Glas Wein, Konzerte im Garten, der vielleicht kleinste Weihnachtsmarkt Norddeutschlands – alles ist liebevoll, unkompliziert, nordisch warm.
„Ich möchte den Leuten eine Auszeit geben. Egal ob sie Kaffee trinken oder übernachten. Einfach mal frei sein vom Alltag, vom E-Mail-Speicher, vom Kopf.“
Und dann sagt sie einen Satz, der so viel über sie erzählt: „Ich mach’s nicht nur für die Gäste – ich mach eigentlich auch alles für mich.“
Weil sie hier ein Zuhause gefunden hat. Und weil sie anderen genau dieses Gefühl schenken möchte.
Petra ist eine der Poeler Inselfrauen, einer Gemeinschaft selbstständiger Frauen, die sich gegenseitig stärken. Was sie an Poel schätzt? „Die Natürlichkeit. Es ist, wie es ist.“ Hin und wieder sieht sie eine ältere Dame mit Kopftuch – ein Bild wie aus früheren Zeiten. „Da merke ich: Das gibt’s wirklich noch.“
Ihr Lieblingsplatz? Neuhof. Mit einer Flasche Sekt, Blick auf die Pferde. Ein Ort, der atmet.
Was sie sich für die Insel wünscht? Der Ort zu sein, der genau das feiert, was Poel ausmacht: Ein bisschen Understatement – aber ganz viel echtes Gefühl.





